Meine Kritik an Robo-Advisor (7 Gründe)

Robo-Advisor schießen gerade überall wie die Pilze aus dem Boden und bieten uns Investoren ihre Dienste mit warmen Worten an.

Automatisierte Beratung, automatisches Rebalancing und grafische Auswertungen in flashig-hippen Farben.

Das sind im Kern die Dienstleistungen, welche diese Anbieter an dich verkaufen wollen. Natürlich im Gegenzug für eine praktische All-In-Fee, sprich Prozente deines Vermögens.

Ich hatte jetzt ausgiebig Zeit, mir die Angebote auf dem Markt anzusehen und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass kein Mensch solche Robo-Advisor braucht.

Warum und wieso will ich dir anhand von 7 Gründen genauer erklären. Anschließend würde mich natürlich auch deine Meinung zu dem Thema interessieren.

Legen wir also los!

Was ist ein Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor ist im Endeffekt eine Art automatisierte Beratung über das Internet ohne, dass ein Mensch involviert wäre.

Dir werden ein paar Fragen gestellt, um deine Risikotoleranz und Anlagepräferenzen zu ermitteln und auf Basis dessen, bekommst du dann ein paar Vorschläge aufgetischt.

Je nach Anbieter kannst du diese dann vom Robo-Advisor direkt umsetzen lassen und wenn du möchtest, rebalanced er in Zukunft auch automatisch dein Portfolio.

Ganz grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Robo-Advisorn unterscheiden.

Zum einen, diejenigen, die versuchen dir weiß zu machen, sie könnten dein Vermögen zwischen verschiedenen Wertpapieren oder Assetklassen aktiv so klug hin- und herschieben, dass am Ende etwas besseres als die Marktrendite für dich dabei herausspringt.

Und zum anderen, diejenigen, die ein dir empfohlenes, vorgefertigtes, passives Portfolio in dessen ursprünglicher Zusammensetzung umsetzen und rebalancen, damit alles so bleibt wie es ist.

Die erstgenannte Art des Robo-Advisors ist demnach aktives Handeln und unbestritten genauso zum Scheitern verurteilt, wie all die aktiven Fondsmanager, Market-Timer und Copy-Trader da draußen, die in schöner Regelmäßigkeit underperformen.

Das ist wissenschaftlicher Fakt (siehe hier, hier und hier) und deswegen werden wir uns diese Art gar nicht erst näher ansehen.

Wir beschränken uns hier auf die Anbieter, die dir helfen wollen, ein passives ETF-Portfolio besser umzusetzen.

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Darüber hinaus unterscheidet man beim passiven ETF-Portfolio zwischen zwei weiteren Formen:

1. Reine Beratungstools, also im Endeffekt eine reine Software/Webanwendung, die dir Empfehlungen ausspuckt und die du dann selbst in deinem eigenen Depot umsetzt.

2. Vermögensverwaltungen, die dir dann nicht nur Empfehlungen gegeben, sondern diese auch vollautomatisch umsetzen.

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Ihre Daseinsberechtigung begründen Robo-Advisor damit, dass sie es Anlegern leichter machen würden, ein diversifiziertes Börsenengagement zu beginnen und ihr Depot komfortabel zu managen.

Ich sehe das aber ehrlich gesagt nicht so, denn was die Robos meist anraten, sind einfach schlichte ETF-Depots und die kannst du dir günstiger sowie supersimpel auch selbst stricken.

Homemade Finance eben.

Ich bin aber ein Freund rationaler Argumente und um dich von meiner Ansicht zu überzeugen, habe ich hier meine Gründe gesammelt und möchte diese natürlich auch mit dir teilen.

1. Robo-Advisor sind teuer

Reden wir nicht länger um den heißen Brei herum. Wie so oft im Leben gibt es den einen großen Haken, der die zahllosen anderen kleinen Haken daneben wie Makulatur aussehen lässt.

Quasi wie eine Walfangharpune neben einer Angelschnur mit Wurm unten dran.

Im Fall von Robo-Advisor heißt diese Harpune Kosten.

Denn ihre Dienste lassen sich die Anbieter sehr gut bezahlen.

Ein Beispiel, ohne jetzt einen bestimmten Anbieter beim Namen zu nennen, denn ich will hier keine Werbung machen:

0,75% des Portfolios + 0,25% Total Expense Ratio der ETF

So wie ich das sehe, hätte dieser Anbieter gerne rund den dreifachen Preis für sein Angebot als ein ETF alleine kosten würde.

Dreifach wohlgemerkt.

Und ganz ehrlich, das ist der Service meiner Meinung nach niemals wert.

Denn was kriege ich genau dafür?

Einen Fragebogen zum Einstieg, eine Vorauswahl an Fonds, ein bisschen Rebalancing einmal im Jahr und vielleicht noch eine App.

Tut mir wirklich Leid, aber dafür lege ich sicher keine 0,75% p.a. auf den Tisch.

Das sind Dinge, die ich selbst locker günstiger machen kann, sogar dann, wenn ich den Wert meiner eigenen Zeit berücksichtige.

Es gibt natürlich auch billigere Anbieter auf dem Markt, die teilweise schon ab 0,25% loslegen. Aber selbst dann kostet dich der Spaß zusätzlich genau so viel, wie ein durchschnittlicher ETF, um den es hier ja eigentlich geht!

Nicht um irgendein zusätzliches Beratungs-Buhei drum herum.

Und du hast es mittlerweile auch schon oft genug gelesen: Kosten sind an der Börse quasi das Einzige, das wir zu unseren Gunsten beeinflussen können.

Warum jetzt also anfangen für wenig Mehrwert viel Geld auszugeben?

2. Robo-Advisor wollen grundlegende finanzielle Bildung ersetzen

Ein Punkt der mich persönlich besonders beschäftigt, ist die Tatsache, dass Robo-Advisor im Grunde nichts anderes versuchen als finanzielle Bildung zu ersetzen.

Hey man, es gibt keinen Grund, sich mit diesem faden Finanzzeug auseinanderzusetzen. Überlass das doch einfach uns!

Das ist die Kernbotschaft hinter den Robos und die ruft bei mir gemischte Gefühle hervor.

Zum einen, könnte es Menschen, die bisher noch nicht an der Börse unterwegs waren, ermutigen dies doch auch endlich einmal zu tun.

Und das meist über ein breit diversifiziertes Portfolio zu einem zwar etwas zu hohen aber insgesamt nicht maßlos überzogenen Preis.

Das finde ich natürlich toll, denn mein Ziel ist es ja auch mehr Leute für die Börse zu begeistern.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch, dass die Menschen sich damit wirklich selbst auseinandersetzen und nicht einfach irgendjemandem ihr Geld in die Hand drücken und sagen:

Komm, mach du das mal.

Mein oberstes Ziel ist es, dir Finanzwissen zu vermitteln, das dich auf deinem Weg voranbringt und zwar als selbstbestimmter Investor.

Nicht als abhängige Marionette irgendeiner Beratungsdienstleistung.

Wissen ist alles und auch wenn Robo-Advisor vielleicht mehr Menschen an das Thema Aktien heranführen können, so setzen sie doch auch gleichzeitig einen Anreiz, sich nicht eingehender mit fundamentalem Finanzwissen zu beschäftigen.

Und das finde ich sehr schade. Denn was man dabei lernen kann, lässt sich auf noch viel mehr Bereiche im Leben anwenden, nicht nur auf Börse und Geld.

Manchmal in Bereichen, wo man es vielleicht gar nicht für möglich halten würde.

Daher stehe ich nicht nur objektiv, sondern auch persönlich den Robos sehr skeptisch gegenüber.

3. Robo-Advisor sind ein weiterer Mittelsmann

Es gibt ein gewisses, wenn auch etwas vereinfachtes Idealbild, wenn du in ein Unternehmen investieren möchtest:

Du gehst hin, gibst dein Geld und erhältst dafür ein Wertpapier des Unternehmens deiner Wahl.

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Nur in den seltensten Fällen geht das aber einfach so direkt. So gut wie immer musst du Wertpapiere über die Börse kaufen.

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Jetzt ist es aber so, dass du nicht einfach selbst an der Börse aktiv werden und anschließend deine Wertpapiere zu Hause verwahren kannst. Du brauchst für beides einen Broker, der dir zuerst Zugang verschafft und dann dein Eigentum sicher verwahrt.

Das ist somit ein weiterer Mittelsmann zwischen dir und dem Unternehmen:

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Und es geht noch weiter, denn wir beide wissen ja, dass man IMMER diversifiziert investieren soll.

Bei normal großen Vermögen und Sparquoten ist das aber nur bedingt möglich. Mit z.B. 500€ im Monat kann ich nicht gleichzeitig jedes Unternehmen der Welt kaufen.

Aber warte!

Mit ETF können wir das ja mittlerweile doch, zumindest annähernd.

Das bedingt allerdings wiederum einen weiteren Mittelsmann zwischen dir und den Unternehmen:

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Das Problem mit Mittelsmännern ist, dass sie dich immer kosten. Jeder, der ein Wertpapier sozusagen an dich weiterreicht, möchte vom Käufer, also dir, dafür bezahlt werden.

Es gibt Mittelsmänner, auf die KÖNNEN wir nicht verzichten. Dazu zählen Börse und Broker, denn ohne sie ginge es einfach nicht. Erst so haben wir überhaupt Zugang zum Kapitalmarkt.

Dann gibt es noch Mittelsmänner, auf die WOLLEN wir nicht verzichten.

Dazu zähle ich ETF-Anbieter.

Wir wollen eine möglichst breite Diversifikation und ohne iShares & Co. würden wir das mit unseren kleinen Beträgen nicht schaffen. Daher überwiegen die Vorteile ganz klar die Kosten und wir lassen den Mittelsmann sich neben Börse sowie Broker mit einreihen.

Robo-Advisor würden nun gerne das gleiche tun und sich in die illustre Reihe dazu gesellen. Dies begründen sie mit den bunt beworbenen Features, die sie dir anbieten.

Nur muss ich hier sagen, dass meiner Meinung nach Kosten und Nutzen für dich in keinem vorteilhaften Verhältnis zueinander stehen.

Deswegen:

Eliminate the middlemen!

no-robo-advisor

4. Ein Robo-Advisor ist kein Berater

Auch wenn Advisor, also Berater, vielleicht mit im Namen steckt, so leisten die Robos genau eines lustigerweise so gut wie gar nicht, nämlich:

Beratung.

Nahezu jeder Anbieter beschränkt sich auf eine Handvoll simpler Fragen zu deiner Risikoeinstellung und auf Basis dessen wird dir dann eine “individuell” passende Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen vorgeschlagen.

Das war es dann auch schon mit der Beratung.

Wow.

Das ist reichlich unspektakulär und wirft schon ein wenig die Frage auf, warum die Anbieter ihre Dienstleistung mit “Advisor” bezeichnen.

Denn wenn man es mal gemeiner formuliert, dann könnte man Robo-Advisor als teure Broker/Vermittler mit eingeschränktem Angebot und einem Multiple-Choice-Test für Neukunden bezeichnen.

Inwiefern dir das auf deinem Weg zu deinen Zielen weiterhelfen soll, das erschließt sich mir einfach nicht.

Wenn du eine Beratung möchtest (was ja auch legitim sein kann, denn manchmal ist es klug, sich externes Know-How einzukaufen), dann solltest du dich an einen echten Menschen halten.

Denn dieser kann auf dich nochmal individueller eingehen als es ein Robo-Advisor jemals tun wird.

Wenn du unbedingt jemanden an deiner Seite benötigst, dann nimm dafür lieber etwas Geld in die Hand und besorge dir eine ordentliche Lösung, anstatt so etwas halbseidenes wie einen standardisierten Fragebogen im Internet.

Das führt uns direkt zum nächsten Grund:

5. Noch mehr Papierkram zum Managen

Ich habe es ja schon oft gesagt, aber nochmal: ich hasse Papierkram.

Jeder von uns hat sowieso schon viel zu viel davon und ich achte daher peinlichst darauf, dass er nur so langsam wie möglich mehr wird.

Genau das ist bei der Nutzung eines Robo-Advisors aber der Fall.

Ganz besonders dann, wenn der Robo lediglich vorschlägt und dich letzten Endes die Drecksarbeit doch selbst machen lässt.

Dann hast du neben dem unvermeidbaren Papierkram deines Brokers noch den vermeidbaren Papierkram deines Robo-Advisors on top.

Das bedeutet viel zusätzliches Kleingedrucktes und nochmal zusätzliches Verstehen von einer weiteren Ebene an Gebühren.

Null Bock darauf, wenn ich es mal so schnoddrig formulieren darf.

6. Keiner klopft dir auf die Schulter (bzw. ins Gesicht)

Wenn du schon einen Advisor benötigst, worauf sollte man dabei achten?

Na?

Ganz einfach:

Auf reichlich Muckis.

Warum?

Weil ein guter Berater genau zwei laufende Aufgaben hat:

1. Dich Ohrfeigen, wenn der Markt steigt und du Gefahr läufst übermütig zu werden. Stichwort Aktienkauf auf Kredit.

2. Dir in den Allerwertesten treten, wenn der Markt schlecht läuft und du Gefahr läufst kalte Füße zu bekommen. Stichwort nächste Finanzkrise.

Beides kann ein Robo-Advisor schlicht nicht und eine Push-Notification auf dem Handy oder eine E-Mail sind nun einmal deutlich weniger wirkungsvoll als ein Conan-der-Barbar-Schwarzenegger im Anzug vor deiner Haustür.

Wissenschaftliche Studien belegen das.

Ein Advisor muss dich auf Spur halten können, wenn du Gefahr läufst etwas dummes zu tun. Wie etwa zu verkaufen wenn es kriselt.

7. Der Steuerkram bleibt der Gleiche

Einen Aspekt, bei dem Robo-Advisor tatsächlich einmal richtig punkten könnten, lassen sie paradoxerweise links liegen:

Den Steuerkram.

Ich denke genau das ist ein Punkt, bei dem sich viele Investoren mehr Service wünschen würden und auch bereit wären dafür zu zahlen.

Quasi mehr ein Robo-Tax-Advisor.

Welche Zahl muss ich wo nochmal genau eintragen? Welche Besonderheiten muss ich berücksichtigen? Was kann ich optimieren?

Dafür wäre vermutlich sogar ich bereit etwas Rendite abzugeben, wenn diese Dinge weitestgehend automatisiert ablaufen würden.

Warum das noch keiner anbietet?

Nun, vermutlich weil es sehr kompliziert wäre, sowohl von der Thematik als auch der Umsetzung her und da sich alle paar Jahre auch wieder etwas ändert, siehe beispielsweise Investmentfondssteuerreformgesetz.

Daher hat sich an diesen Punkt noch nicht wirklich jemand herangewagt.

Schade eigentlich.

Fazit: Robo-Advisor sind ziemlich nutzlos und dafür zu teuer

Ganz grundsätzlich finde ich die Idee der Robo-Advisor gar nicht mal so verkehrt.

Er nimmt nochmal ein Stück weit die Komplexität aus dem Aufbau sowie der Wartung eines eigenen ETF-Portfolios und verpackt das ganze in Form von schicken Grafiken, verbrauchergerecht für die Augen.

Eigentlich ganz nett also.

Die Krux ist:

Dieser Service ist niemals 0,75%, 0,50% oder auch nur 0,25% pro Jahr wert.

Tut mir Leid, aber auch mit einem ganz normalen Broker ist es keine Raketenwissenschaft mit einem eigenen ETF-Depot loszulegen und das Ding dann ab und an zu rebalancen.

So kompliziert ist das auch wieder nicht und erfordert außerdem so gut wie keine Zeit.

Darüberhinaus, bieten manche Broker ebenfalls bereits ganz nette grafische Auswertungen der Zusammensetzung und Entwicklung deines Portfolios an und was dir da fehlt, kannst du dir auch selbst in Excel schnitzen.

Summa summarum:

Die netten Features, die Robo-Advisor dir bieten, sind genau das und nicht mehr:

Nette Features.

Der Punkt ist aber: Wirklich brauchen tust du die nicht. Schon gar nicht zu diesem Preis.

Ich verzichte mit Freuden auf hochauflösende Grafiken in irgendwelchen flashigen Apps, wenn ich mir im Gegenzug 0,75% mehr Rendite sichern kann.

Denn dazu sind wir schließlich überhaupt erst an die Börse gegangen:

Um mehr Rendite zu machen.

Robo-Advisor helfen dir dabei nicht wirklich weiter und deswegen sage ich:

Kein unnötiger Firlefanz.

Nur du, dein mit Homemade-Finance-Know-How angefüllter Kopf und Excel gegen den Rest der Welt.

Denn mehr braucht es einfach nicht.

Hast du schon mal mit Robo-Advisorn zu tun gehabt? Wenn ja, was war für dich ausschlaggebend einen zu benutzen und wie war deine Erfahrung damit? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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